Indikatoren zum »Flächenverbrauch« für Gemeinden

Einleitung

An sich wird gar nichts verbraucht. Denn die Fläche verschwindet nicht. Sie wird einer anderen Nutzung zugeführt, wobei dieser Prozess meist nicht umkehrbar ist. Der Begriff »Flächenverbrauch« umschreibt die Umwidmung von vormals naturnaher land- und forstwirtschaftlich genutzter Fläche zu siedlungsbezogener Nutzung. Andere Begriffe wie z. B. »Flächeninanspruchnahme« treffen den Sachverhalt besser. Derartige Wortungetüme haben zwar ihren Platz in der Fachsprache, aber nie Eingang in den normalen Sprachgebrauch gefunden.

Da Grund und Boden nur begrenzt verfügbar ist, müssen alle Raumbezogenen Planungen einschließlich der ihnen zugrunde liegenden Fachplanungen zwei grundsätzliche Aspekte berücksichtigen, und zwar den einer angemessenen Versorgung der Bevölkerung mit Flächen und Einrichtungen für die Befriedigung allgemeiner Lebensbedürfnisse (z. B. Wohnungen, Arbeitsstätten, Infrastruktureinrichtungen etc.), sowie den Schutz und sorgsamen Umgang mit der Ressource Boden. Die Flächennutzung steht somit im Schnittpunkt ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklungen. Dabei liegt die Organisation der Flächennutzung weitgehend, wenn auch nicht ausschließlich in der Verantwortung der kommunalen Planungsträger.

An Literatur zum Flächenverbrauch mangelt es wahrlich nicht. Zumeist nähern sich die Autoren der Fragestellung aus einer räumlich übergeordneten Perspektive und betrachten allenfalls die Situation auf Ebene der Stadt- und Landkreise. Was fehlt, sind konkrete Hilfestellungen für die Entscheidungsträger in den Gemeinden, basierend auf harten und belastbaren Zahlen. Diese Lücke sollen die vom Statistischen Landesamt vorgestellten Indikatoren zum »Flächenverbrauch« wenigstens teilweise schließen. Ein Indikator ist nach Duden »ein Umstand oder Merkmal, das als [beweiskräftiges] Anzeichen oder Hinweis auf etwas anderes dient.« Infolge der Vielschichtigkeit des Themas »Flächenverbrauch« erschließt sich die Problematik erst durch die Würdigung verschiedener (Einzel-) Indikatoren im Sinne einer systematischen Gesamtbetrachtung.

Die Darstellung baut unmittelbar auf einer Auftragsarbeit des Umweltministeriums Baden-Württemberg mit dem Titel »Entwicklung und Erprobung von Indikatoren zur Flächeninanspruchnahme und flächensparenden Siedlungsentwicklung in Baden-Württemberg«1) auf.

Indikatoren

Damit die Indikatoren (bzw. das Indikatorensystem) den skizzierten Ansprüchen zumindest annähernd gerecht werden, müssen die relevanten Fragestellungen adäquat aufbereitet werden. Banal und doch eminent wichtig sind dabei die Forderungen, dass

  • die Daten flächendeckend für alle Gemeinden verfügbar sein müssen und
  • regelmäßig aktualisiert werden.

Die Datenerhebung muss sowohl unter räumlichen als auch unter zeitlichen Gesichtspunkten nach einheitlichen Methoden erfolgen. Und nicht zuletzt muss der Aufwand zur Datenbeschaffung auch finanziell vertretbar sein. Was liegt somit näher, als auf bereits vorhandene Daten der amtlichen Statistik für die Ausweisung der Indikatoren zurückzugreifen?

Vor diesem Hintergrund schlagen die Autoren der vorgenannten Studie für die vier Themenfelder Flächeneinsatz, Effizienz und Qualität der Flächennutzung sowie Flächenmanagement folgende Indikatoren vor:

FlächeneinsatzSiedlungsfläche je Einwohner 2008m²/Einwohner
Veränderung der Siedlungsfläche je Einwohner 2000 bis 2008 
EffizienzWohnfläche zu Gebäude- und Freifläche Wohnen 2008m²/Hektar
Index 2008 zu 2000 Wohnfläche zu Gebäude- und Freifläche Wohnen 
QualitätAnteil der Erholungsfläche an der Siedlungsfläche 2008%
Index 2008 zu 2000 Anteil der Erholungsfläche an der Siedlungsfläche 
FlächenmanagementWohn- und Nutzfläche in Neubauten zu Veränderung 2000/2008 der Gebäude- und Freifläche gesamtm²/m²
Wohnfläche in Neubauten zu Veränderung 2000/2008 der Gebäude- und Freifläche Wohnenm²/m²

Es erfolgt also mit Ausnahme des Bereiches Flächenmanagement jeweils eine Beschreibung des Status quo und der Entwicklung der letzten Jahre.

Flächeneinsatz

Der Flächeneinsatz, gemessen als Siedlungsfläche je Einwohner, stellt das gesamte Ausmaß der durch Kommunen organisierten Flächeninanspruchnahme für Siedlungszwecke dar. Um die Ergebnisse untereinander vergleichbar zu machen, wird der Flächeneinsatz dabei grundsätzlich in Bezug zur Einwohnerzahl dargestellt. Veränderungen des Flächeneinsatzes können nur dann richtig beurteilt werden, wenn man zugleich die Einwohnerentwicklung berücksichtigt.

Der ansonsten weit verbreitete Indikator »Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche« ist auf kommunaler Ebene nur bedingt aussagekräftig, mitunter sogar irreführend. Zum einen ist die Gesamtgemeindefläche zu sehr von Zufälligkeiten bestimmt, zum anderen sind die Verkehrsflächen, hier insbesondere die klassifizierten Straßen, die Bahnanlagen und Flugplätze nur bedingt durch die kommunale Planung verursacht. Mit dem Verzicht auf die Berücksichtigung der Verkehrsfläche spiegelt die Kategorie Siedlungsfläche, definiert als Siedlungs- und Verkehrsfläche ohne den Teil Verkehrsfläche, zwar nicht das Gesamtmaß der Flächeninanspruchnahme, erlaubt aber eine vergleichsweise präzise Einschätzung des jeweiligen Siedlungsgeschehens, da »fremd verursachte« Flächennutzungen weitgehend ausgespart bleiben.

Handlungsbezug aus kommunaler Sicht

Ein sparsamer und schonender Umgang mit Grund und Boden ist gemäß § 1a BauGB geboten. Bei einer Neuausweisung von Siedlungsflächen auf der grünen Wiese ist der Bedarf unter Betrachtung möglicher Alternativen nachzuweisen. Ein in Relation zur jeweiligen Vergleichsgruppe erhöhter Flächeneinsatz je Einwohner deutet auf ungenutzte Entwicklungspotenziale im Innenbereich hin.

Zusätzliche Flächeninanspruchnahme kann reduziert werden durch:

  • das gezielte Nutzen von Innenentwicklungspotenzialen (Flächenrecycling, Nachverdichtung, Baulückenschließung),
  • Optimieren der Nutzungsdichte, etwa durch Beteiligung an regionalen Gewerbeflächenpools zur Vermeidung von Flächenleerstand,
  • zügige und vollständige Umsetzung neuer Baugebiete (Bauplatzvergabe mit Bauverpflichtung).

Effizienz der Flächennutzung

Die Indikatoren im Themenfeld Effizienz sind möglichst präzise auf die entsprechenden Flächenkategorien zu beziehen.

Die Wohnflächendichte als Maßstab für die Effizienz der Flächennutzung (Wohnfläche je ha Gebäude- und Freifläche Wohnen) hebt auf die bauliche Dichte von Wohngebieten ab.

Handlungsbezug aus kommunaler Sicht

Effiziente Flächennutzung ist ein städtebauliches Ziel, das Planungsentscheidungen unmittelbar beeinflusst und bei der Bewertung von Alternativen zu berücksichtigen ist.

Eine effiziente Bodennutzung kann erreicht werden durch:

  • Förderung bestehender Quartiere durch bewusste Lenkung von Investitionen (Aufwertung öffentlicher Räume, Sanierungsprogramme, Abbau von baurechtlichen Restriktionen, Nachverdichtung),
  • das Formulieren von Qualitätszielen (angemessene Siedlungsdichten, Verhältnis Mehrfamilienhäuser zu Einfamilienhäuser, Förderung gemischter und urbaner Quartiere),
  • Verbessern der Standortqualitäten zur Durchsetzung von Qualitätszielen (Anschluss an den ÖPNV, Ausbau der Nahversorgung),
  • zügige und vollständige Umsetzung neuer Baugebiete (Bauplatzvergabe mit Bauverpflichtung) und Schließen von Baulücken.

Qualität der Flächennutzung

Ein hoher Anteil von Erholungsflächen (Erholungsflächen und Friedhöfe) an der Siedlungsfläche relativiert in gewissem Umfang einen insgesamt möglicherweise hohen Flächeneinsatz. Erholungsflächen dürften im Allgemeinen einen deutlich geringeren Eingriff in Natur und Umwelt darstellen als Gebäude- und Freiflächen oder Verkehrsflächen.

Handlungsbezug aus kommunaler Sicht

Planung muss zwischen effizienter und qualitätsvoller Flächennutzung abwägen. Die einseitige Steigerung der Effizienz kann zu einem problembehafteten Wohn- und Arbeitsumfeld und einer unverhältnismäßigen Belastung der Umwelt führen und gefährdet im Extremfall die Nachhaltigkeit einer städtebaulichen Entwicklung.

Die gezielte Ausweisung von Erholungsflächen trägt maßgeblich dazu bei,

  • das Wohn- und Arbeitsumfeld zu verbessern und dadurch Einwohner in der Stadt zu halten bzw. für die Stadt zurück zu gewinnen,
  • die ökologischen Belastungen durch Siedlungsflächen zu mindern (z. B. Verbesserung des Mikroklimas, ökologische Trittsteine, Biotopvernetzung),
  • im Einzelfall herausragende Standortqualitäten zu entwickeln, die in angrenzenden Bereichen überdurchschnittliche Nutzungsdichten erlauben,
  • einen wirksamen Puffer zu schaffen, der eine unkontrollierte Ausbreitung der Baugebiete in sensible Landschaftsbereiche verhindern kann (z. B. durch Gestaltung eines Ortsrands).

Flächenmanagement

Beim Thema Flächenmanagement richtet sich der Blick auf die durch Planung kurz- bis mittelfristig beeinflussbaren Veränderungen. Einen vergleichbaren allgemeinen Einblick in die Siedlungsentwicklung erhält man, wenn man das Baugeschehen (fertig gestellte Wohn- und Nutzfläche bzw. nur fertig gestellte Wohnfläche aus der Baufertigstellungsstatistik) allgemein mit dem Zuwachs an Baugebietsfläche (Gebäude- und Freifläche bzw. nur der Gebäude- und Freifläche Wohnen) in Relation setzt.

Niedrige Werte sind Anzeichen für neu ausgewiesene, aber noch nicht bebaute Flächen. Hohe Werte ergeben sich vor allem dann, wenn bereits vereinnahmte Flächen nachträglich bebaut oder Maßnahmen im Bestand durchgeführt werden. Und schließlich könnten einzelne Flächen auch einer anderen Nutzung zugeführt worden sein.

Handlungsbezug aus kommunaler Sicht

Die Indikatoren des Themenfeldes Flächenmanagement können durch folgende Maßnahmen zur Innenentwicklung direkt beeinflusst werden:

  • Erfassen und Aktivieren von Innenentwicklungspotenzialen (durch Flächenrecycling, Nachverdichtung, Baulückenschließung),
  • Unterstützung von Entwicklungsvorhaben im Bestand (durch Standortentscheidungen für kommunale Vorhaben, Aufwertung öffentlicher Räume, Sanierungsprogramme).

Gleichzeitig werden die Werte verbessert durch:

  • das Erreichen angemessener Siedlungsdichten (Verhältnis Mehrfamilienhäuser zu Einfamilienhäuser, Förderung gemischt genutzter und urbaner Quartiere),
  • zügige und vollständige Umsetzung neuer Baugebiete (Bauplatzvergabe mit Bauverpflichtung),
  • das Vermeiden von Flächenleerstand, etwa durch Beteiligung an einem regionalen Gewerbeflächenpool.

Datenquelle

Der statistische Nachweis des Flächenverbrauchs bzw. der Flächennutzung erfolgt mit Hilfe der Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung (FEtN), die 1979 eingerichtet und seit 1981 in 4-jährigem Turnus aktualisiert wurde. Deren Ergebnisse beruhen auf dem Liegenschaftskataster Stand 31. Dezember des Vorjahres und sind somit so aktuell wie das Kataster selbst. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass zwischen dem Ende einer Baumaßnahme und deren endgültiger Registrierung im Kataster ein Zeitraum von mehreren Monaten liegen kann.

Mit der sukzessiven Einführung des automatisierten Liegenschaftsbuches (ALB; ab 1985) wurden die Katasterunterlagen überarbeitet, mit der Folge, dass die rechnerischen Unterschiede zwischen der Ergebnissen zweier Erhebungen häufig nicht den tatsächlichen Nutzungsänderungen im Referenzzeitraum entsprechen. Dieses Phänomen tritt insbesondere bei kleinräumiger Betrachtung zutage. 1997 war das Vorhaben bis auf einige wenige Gemeinden im ganzen Land abgeschlossen, so dass erst ab der Flächenerhebung 1997 (also zum Stichtag 31.12.1996) wieder flächendeckend voll vergleichbares Zahlenmaterial vorliegt.

Zwischenzeitlich erfolgte eine Umbenennung der Erhebungen dergestalt, dass die Flächenerhebung mit den Ergebnissen zum 31.12.2004 heute als Flächenerhebung 2004 und nicht wie nach der alten Nomenklatur als Flächenerhebung 2005 bezeichnet wird.

In der öffentlichen Diskussion besteht häufig die – falsche – Vorstellung, dass es sich beim Flächenverbrauch in vollem Umfang um »versiegelte« Flächen handelt. Dabei umschreibt »Versiegelung« das teilweise oder vollständige Abdichten offener Böden durch bauliche Anlagen, Verkehrsflächen- und Freiflächengestaltung. Zu den Gebäude- und Freiflächen rechnen jedoch auch der Bebauung untergeordnete unbebaute Flächen wie beispielsweise Vor- und Ziergärten, zu den Verkehrsflächen Begleitflächen wie Seitenstreifen, Böschungen, Gräben, etc.

Auswertung, Bewertung

Es ist ein politisch erklärtes Ziel, die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche – also den Flächenverbrauch – bundesweit von 120 Hektar täglich (Referenzzeitraum 1997/2000) bis 2020 auf 30 Hektar täglich zu senken2). Daraus lassen sich zwar auf Landesebene entsprechende Zielvorgaben ableiten, nicht jedoch für die einzelne Kommune. Dazu ist die Betroffenheit vor Ort zu heterogen. Insbesondere in den Verdichtungsräumen wird die Notwendigkeit zu einem sparsamen Umgang mit Grund und Boden immer offenkundiger. Im ländlichen Raum dagegen ist der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche zwar noch vergleichsweise gering, aber auch hier ist Handlungsbedarf mehr und mehr erkennbar.

Die für eine Gemeinde ermittelten Indikatoren sind, für sich alleine genommen, damit ohne größeren Aussagewert. Eine Bewertung wird mangels geeigneter Normen erst im Vergleich mit anderen Gemeinden möglich. Damit kommt dem Vergleichsmaßstab entscheidende Bedeutung zu, wobei es hier sowohl die räumliche Lage (Raumkategorie) einer Gemeinde als auch deren Größe (Einwohnerzahl) zu berücksichtigen gilt.

Durchschnittswerte der Indikatoren und deren Spannbreiten für die 16 Vergleichsgruppen unterschiedlicher Raumkategorie und Größenklassen
lfd Nr.An-
zahl
Ge-
mein-
den
Raumkategorie und GrößenklasseSiedlungs-
fläche je Einwohner
Wohn-
flächen-
dichte Wohnfläche je Gebäude- und Freifläche Wohnen
Verän-
derung der Wohn-
flächen-
dichte
Anteil der Erholungs-
flächen an der gesamten Siedlungs-
fläche
Veränd-
erung des Erholungs-
flächen-
anteils
Wohn-/
Nutzfläche von Neubauten im Vergleich zur Entwicklung der Gebäude- und Freiflächen insgesamt
Wohnfläche in Neubauten im Vergleich zur Entwicklung der Gebäude- und Freifläche im Bereich Wohnen
Stand 31.12. 2008Entwicklung 2000 bis 2008 Stand 31.12. 2008Entwicklung 2000 bis 2008Stand 31.12. 2008Entwicklung 2000 bis 2008Entwicklung 2000 bis 2008Entwicklung 2000 bis 2008
m²/ha2000 = 100%2000 = 100m²/m² Baulandm²/m² Bauland
 230Verdichtungsraum
142unter 5.000252,9914,93.12296,829,21150,470,23
2655.000 bis unter 10.000244,4614,53.39898,8210,41080,470,29
36510.000 bis unter 20.000222,528,43.74297,7610,91090,590,29
44120.000 bis 50.000219,497,73.95098,8211,41060,700,34
517über 50.000172,332,74.969100,6615,11061,070,58
 216Randzone um Verdichtungsraum
699unter 5.000330,4730,92.71796,0710,91180,290,18
7755.000 bis 10.000311,3324,72.74295,8210,41250,360,17
842über 10.000296,0215,73.00398,5511,61130,470,24
 57Verdichtungsbereich im Ländlichen Raum
916unter 5.000392,9327,92.32396,287,51050,300,15
10215.000 bis 10.000388,9932,52.25096,767,71050,280,15
1120über 10.000306,2315,72.95498,489,71040,500,23
 599Ländlicher Raum im engeren Sinn
12160unter 2.000502,5441,62.07795,238,21010,200,12
131162.000 bis unter 3.000474,4937,22.13895,699,21030,240,13
141503.000 bis unter 5.000444,9838,42.22295,6410,01150,260,14
151105.000 bis 10.000425,1938,42.33695,418,51100,250,14
1663über 10.000377,7127,42.58997,2110,41100,350,18

Um innerhalb der Gruppen sinnvolle Vergleichsmaßstäbe zu erhalten, erscheint es zweckmäßig, Extremwerte auszublenden. Die Festlegung eines als signifikant geltenden Bereiches erfolgt durch die Konzentration auf 95% der Datensätze, wobei die Werte, die am nächsten zusammen liegen, ausgewählt werden. Die Extremwerte beruhen in der Regel auf besonderen, einmaligen Umständen und sind für die allgemeine Beurteilung nicht signifikant. Um jedoch auch solche Sonderfälle nicht gänzlich auszublenden, werden sie stark gestaucht außerhalb des eigentlichen Wertebereichs am äußeren Rand oder im Mittelkreis der Wertungsscheibe eingeordnet.

Um einen prägnanten Überblick über die Ergebnisse der einzelnen Kommune in den vier Themenfeldern zu ermöglichen, werden die Indikatoren in einer einheitlichen Grafik zusammengefasst. Jedem der vier Themenfelder entspricht ein Sektor des Wertungskreises. Analog zu einer Zielscheibe liegen vorteilhafte Werte näher beim Zentrum, während sich nachteilige Werte auf den äußeren Rand zu bewegen. Durch die grafische Darstellung wird damit deutlich,

  • ob der Wert einer Gemeinde über oder unter dem Durchschnitt innerhalb der Vergleichskategorie liegt

und

  • wie weit sich der Wert einer Gemeinde – ob positiv oder negativ – vom Durchschnitt der Vergleichskategorie entfernt.

Die durchgezogene blaue Linie steht für die Verhältnisse in der Gemeinde, die dunkel schraffierte Fläche zeigt die Werte der Vergleichskategorie. Liegt beispielsweise beim Indikator »Siedlungsfläche je Einwohner« die blaue Linie außerhalb der dunkel schraffierten Fläche, ist der Flächeneinsatz je Einwohner höher als in der Vergleichsgruppe. Das könnte an ungenutzten Entwicklungspotenzialen im Innenbereich liegen. Die gestrichelten Linien definieren den unteren (grün) und oberen (rot) Extremwertbereich.

1) Bearbeitet durch: Uhlig, Raith und Partner, Architekten und Stadtplaner, Karlsruhe. Unter Mitarbeit von: LEHEN drei Architekten Stadtplaner, Stuttgart

2) Die Bundesregierung (Hrsg): Perspektiven für Deutschland, Unsere Strategie für eine nachhaltige Entwicklung, Berlin 2002.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2010 | ^