2007-6

3,1 Millionen private Haushalte mit Internetanschluss

Dr. Barbara Pflugmann-Hohlstein

PDF-Version des kompletten Aufsatzes mit Tabellen, Grafiken und Schaubildern (54,0 KB)

Die Verbreitung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in privaten Haushalten ist ein wichtiger Indikator für den Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft. Nachdem im Jahr 2005 das Gesetz über die Statistik zur Informationsgesellschaft verabschiedet wurde, konnte im Jahr 2006 die bisher nach § 7 BStaG durchgeführte europaweite Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in privaten Haushalten auf eine breitere Auswahlgrundlage gestellt werden. Erste Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass sich die Ausstattung privater Haushalte im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien weiter verbessert hat und dass das Internet von den privaten Haushalten inzwischen für vielfältige Zwecke genutzt wird, so zum Beispiel für Kommunikation, Informationsbeschaffung, Onlineshopping oder Arbeitsplatzsuche.

Immer bessere Ausstattung der Haushalte mit Handys, PCs und Internetzugang | ^

Die Ausstattung privater Haushalte mit Geräten und Zugangsmöglichkeiten zu Informations- und Kommunikationsdienstleistungen hat sich im Jahr 2006 weiter verbessert. In 87 % der Haushalte bestand die Möglichkeit, mit einem Handy zu telefonieren. Damit hat sich die Handygemeinde in den privaten Haushalten gegenüber 2005 nochmals um 4 Prozentpunkte vergrößert.

Schon bei Kindern zwischen 10 und 15 Jahren liegt der Anteil der Handynutzer inzwischen bei gut zwei Dritteln (68 %). In der Altersgruppe zwischen 16 und 34 Jahren nutzt fast jeder (95 % der Personen) ein Handy. Während vier Fünftel der Menschen im Alter zwischen 35 und 64 Jahren ein Handy benutzen, liegt der Anteil der Handynutzer bei der ältesten Bevölkerungsgruppe von über 65 Jahren lediglich bei 47 %.

Fast drei Viertel der privaten Haushalte verfügten im Jahr 2006 über einen PC oder ein Laptop. In 65 % der Haushalte bestand die Möglichkeit im Internet zu surfen. Damit hat sich der Anteil der Haushalte mit Internetanschluss seit dem Jahr 2003 um 10 Prozentpunkte vergrößert.

Ob ein Internetzugang vorhanden ist, hängt neben der sozialen Stellung vor allem vom Alter des Haupteinkommensbeziehers ab. 83 % der Selbstständigenhaushalte und 81 % der Arbeitnehmerhaushalte aber nur 34 % der Haushalte von Rentnern und Pensionären haben zu Hause einen Internetanschluss. Als Grund dafür, warum ein Haushalt keinen Internetzugang besitzt1, wurde am häufigsten der fehlende Bedarf genannt. Dies sagten 60 % der Haushalte ohne Internetanschluss. Daneben hielten die Anschaffungs- (34 %) und Zugangskosten (29 %) Haushalte davon ab, sich einen Internetzugang zuzulegen. 22 % der Haushalte ohne Internetanschluss gaben an, von einem anderen Ort als von zu Hause auf das Internet zurückzugreifen zu können. Eine geringere Rolle für den Verzicht auf einen Internetanschluss spielten Bedenken wegen des Datenschutzes. Nur 13 % der Haushalte ohne Internetanschluss gaben diesen Grund an.

4 Mill. Menschen in Baden-Württemberg fast täglich online | ^

Die vorhandenen Internetanschlüsse werden intensiv genutzt. Knapp drei Viertel der über 10-Jährigen, also rund 7 Mill. Menschen, hat schon einmal im Internet gesurft. 70 % der Personen ab 10 Jahren waren in den letzten 3 Monaten vor dem Befragungszeitpunkt online. Das bedeutet eine Zunahme von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Häufigkeit der Internetnutzung ist weiter gestiegen: im Jahr 2005 lag der Anteil der Internetnutzer, die täglich oder fast täglich im Internet surften, noch bei 55 %. 2006 waren es dagegen schon 59 %, oder rund 4 Mill. Menschen in Baden-Württemberg.

Allerdings haben die Männer beim Internet immer noch die Nase vorn: Während drei Viertel der männlichen Bevölkerung ab 10 Jahren (76 %) im 1. Quartal 2006 das Internet nutzten, lag der Anteil der weiblichen Nutzer nur bei knapp zwei Dritteln (65 %). Darüber hinaus waren gut 2 von 3 männlichen Internetnutzern (68 %) im Alter von 10 Jahren oder älter praktisch jeden Tag online, aber nur die Hälfte der Frauen und Mädchen.

Das Internet wird vielseitig eingesetzt, unter anderem auch für den E-Commerce | ^

Die Kommunikation steht an der Spitze der privaten Nutzungszwecke des Internets. Knapp 9 von 10 Internetnutzern haben im Jahr 2006 E-Mails gesendet oder empfangen. Fast ebenso wichtig ist das Internet als Instrument zur Suche nach Informationen über Waren und Dienstleistungen. Reisedienstleistungen, wie zum Beispiel die Suche nach Informationen über Reiseziele oder die Buchung von Fahrkarten und Unterkünften wurden von mehr als der Hälfte der Internetnutzer in Anspruch genommen. Fast jeder zweite Internetnutzer hat schon Bankgeschäfte über das Internet abgewickelt. Auch für die persönliche Weiterbildung bedienen sich immer mehr Menschen des Internets: mehr als ein Drittel nutzte das Internet zu privaten, ein Viertel zur beruflichen Weiterbildung.

Kontakte mit Behörden stellten immerhin schon 45 % der »Onliner« über das Internet her. Hochgerechnet haben allein etwa 1 Mill. Menschen bei der Arbeitsplatzsuche über die Agentur für Arbeit das Internet genutzt. Nicht berücksichtigt ist dabei die Arbeitsplatzsuche in eigener, privater Regie.

Ein besonderer Aspekt der Internetnutzung stellt der E-Commerce dar: private Haushalte bestellen zunehmend Waren und Dienstleistungen online. Zwei Drittel derjenigen, die das Internet schon einmal genutzt haben, hatten innerhalb des vorausgegangenen Jahres eine Bestellung aufgegeben. Mehr als die Hälfte (52 %) hatten ihre Bestellung sogar innerhalb der letzten 3 Monate gemacht.

Printmedien wie Bücher und Zeitschriften führen die Hitliste der online bestellten Güter an; sie wurden von 36 % der Internetnutzer geordert. Ein Drittel der Internetnutzer hat private Gebrauchsgegenstände wie Möbel, Spielzeug, Geschirr oder Einrichtungsgegenstände via Internet bestellt. Fast ebenso häufig wurden Online-Bestellungen über Kleidung und Sportartikel aufgegeben. Mehr als ein Viertel der Internetnutzer (29 %) buchten Reisen, Urlaubsunterkünfte, Bahn- und Flugtickets online. Knapp jeder Vierte besorgte sich Filme und Musik, Software oder Elektronikartikel über das Internet. Auch Eintrittskarten für Veranstaltungen ordert inzwischen jeder fünfte Internetnutzer online.

Bei Produkten, die vom Kunden vor Ort auf ihre Qualität geprüft werden müssen bzw. nicht umgetauscht werden können, spielt das Internet allerdings kaum eine Rolle: nur 7 % der Internetnutzer kauften Lebensmittel auf diese Weise ein.

Ganz reibungsfrei ist die Abwicklung von Internetkäufen bisher nicht. Immerhin 15 % der Käufer hatten Probleme beim Onlinekauf. Genannt wurden vor allem Lieferzeiten, die länger als angegeben waren. Teilweise wurden aber auch Waren falsch, beschädigt oder gar nicht geliefert oder es gab Probleme bei Beschwerden, bei der Rückgabe oder bei Garantieleistungen.

1 Bei der Nennung der Gründe waren Mehrfachnennungen möglich.

infopunkt

Im Dezember 2005 trat das Gesetz über die Statistik zur Informationsgesellschaft (Informationsgesellschaftsstatistikgesetz – InfoGesStatG) in Kraft, das für die durch die Verordnung (EG) Nr. 808/2004 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 21. April 2004 über Gemeinschaftsstatistiken zur Informationsgesellschaft (ABl. EU Nr. L143 S. 49) entstandenen nationalen Berichtspflichten eine nationale Rechtsgrundlage geschaffen hat. Die bis dahin nach § 7 BStatG durchgeführte Pilotstudie zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in privaten Haushalten wurde daher im Jahr 2006 durch die Bundesstatistik zur Informationsgesellschaft abgelöst.

In Baden-Württemberg haben im Jahr 2006 rund 3 140 Personen in 1 460 Haushalten freiwillig an der Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in privaten Haushalten teilgenommen. Die teilnehmenden Haushalte wurden im Frühjahr 2006 angeschrieben und gebeten, die beiden Erhebungsunterlagen auszufüllen:

  • Im Haushaltsfragebogen waren Fragen über die Zahl der Personen und der Kinder unter 16 Jahren im Haushalt, zu der Ausstattung mit Geräten bzw. Zugängen zu Informations- und Kommunikationsdienstleistungen enthalten.
  • Jede der im Haushalt lebenden Person über 10 Jahre wurde darüber hinaus gebeten, einen Personenfragebogen auszufüllen. Neben persönlichen Angaben wie Ausbildung und Erwerbstätigkeit waren hier vor allem Angaben zur PC- und Internetnutzung gefragt.

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2007 | ^