Erläuterungen Unternehmensregister

Volkswirtschaft, Branchen (URS), Konjunktur, Preise – Erläuterungen

Das statistische Unternehmensregister

Methodische Grundlagen

Das statistische Unternehmensregister (im folgenden Unternehmensregister genannt) ist eine regelmäßig aktualisierte Datenbank mit wirtschaftlich aktiven sowie inaktiv gewordenen Unternehmen und Betrieben aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen mit steuerbarem Umsatz aus Lieferungen und Leistungen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Unternehmen ohne Umsatzsteuerpflicht und ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bleiben weitgehend unberücksichtigt. Quellen zur Pflege sind zum einen Dateien aus Verwaltungsbereichen, wie die Bundesagentur für Arbeit oder die Finanzbehörden, und zum anderen Angaben aus einzelnen Bereichsstatistiken, wie z. B. aus Erhebungen des Produzierenden Gewerbes, des Handels, des Dienstleistungsbereichs usw. Das Unternehmensregister wird von den Statistischen Ämtern der einzelnen Bundesländer geführt. Das Register ermöglicht eigenständige Auswertungen, dient als wichtiges Instrument zur rationellen Unterstützung statistischer Erhebungen und trägt somit zur Entlastung der Wirtschaft bei.

Durch die regelmäßige Nutzung von Verwaltungsdaten zum Aufbau und zur Führung eines Statistikregisters lassen sich beträchtliche Rationalisierungseffekte im Bereich der amtlichen Statistik erzielen. Dies hat auch Vorteile für die in statistischen Erhebungen berichtenden Unternehmen und Betriebe. So können Großzählungen, die bislang zur Gewinnung von Strukturdaten der Wirtschaft erforderlich waren, entweder in geringerem Umfang durchgeführt werden oder ganz entfallen. Auch kann bei laufenden Erhebungen auf die Erfassung von Angaben zu Merkmalen, die durch die jährliche Lieferung von Verwaltungsdaten abgedeckt werden, verzichtet werden. Außerdem können durch unternehmensbezogene Zusammenführungen von Angaben Doppelbefragungen vermieden werden. Darüber hinaus bildet das Statistikregister einen optimalen Rahmen für die Stichprobenauswahl und ermöglicht durch regelmäßige Rotation der einbezogenen Einheiten eine gleichmäßigere Verteilung der statistischen Berichtspflichten. Voraussetzung für die genannten Rationalisierungseffekte ist ein funktionsfähiges, vollständiges und qualitativ gesichertes Statistikregister.

Umstellung auf die neue Klassifikation der Wirtschaftszweige (2008) im statistischen Unternehmensregister Baden-Württemberg ist erfolgt

Die europäische Klassifikation der Wirtschaftszweige (NACE) dient der einheitlichen statistischen Erfassung der wirtschaftlichen Tätigkeiten von Unternehmen, Betrieben und anderen statistischen Einheiten in der Europäischen Union. Auf dieser Grundlage ist eine Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ) entstanden, die auch nationale Bedürfnisse berücksichtigt. Klassifikationen müssen in zeitlichen Abständen an sich ändernde Gegebenheiten bzw. Anforderungen angepasst werden. So wird die bisher gültige WZ 2003 durch die neue WZ 2008 abgelöst. Die WZ 2008 zeigt gegenüber der bisherigen Klassifikation erhebliche strukturelle Änderungen, so dass für statistische Ergebnisse keine direkte Vergleichbarkeit mehr gegeben ist.

Die neue Systematik wurde unter intensiver Beteiligung von Datennutzern und Datenproduzenten in Wirtschaft, Forschung, Verwaltung und Gesellschaft geschaffen. Als Ergebnis ist eine hierarchisch gegliederte Wirtschaftszweigklassifikation mit 21 Abschnitten, 88 Abteilungen, 272 Gruppen, 615 Klassen und 839 Unterklassen entstanden. Weitere Informationen zur Klassifikation der Wirtschaftszweige erhalten Sie unter www.destatis.de unter »Grundlagen« in der Rubrik »Klassifikationen«.

Die Umstellung auf die Wirtschaftszweigklassifikation 2008 ist erfolgt und wird sich nutzbringend auf das Unternehmensregister auswirken (s.u.). Die Einführung der WZ 2008 erfolgt schrittweise. Statistiken, die sich auf vom 1. Januar 2008 an durchgeführte Wirtschaftstätigkeiten beziehen (Berichtsperiode), sind auf der Grundlage der WZ 2008 zu erstellen. Konjunkturstatistiken nach der EU-Konjunkturverordnung sowie der Arbeitskostenindex werden erst ab dem 1. Januar 2009 auf Basis der WZ 2008 erstellt. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung und die Statistiken der Zahlungsbilanz, des internationalen Dienstleistungsverkehrs sowie der Direktinvestitionen wenden die WZ 2008 ab einem späteren Zeitpunkt an.

Rechtsgrundlagen | ^

Auf Grundlage einer EU-Verordnung sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet, bestimmte Informationen in Registern1) zu erfassen. Neben der Nutzung von Angaben aus bestehenden Bereichsstatistiken wurde mit dem Statistikregistergesetz2) in Deutschland die rechtliche Grundlage für die statistische Nutzung von Verwaltungsdateien geschaffen.

Unternehmens- und Betriebstabellen

Aus dem Unternehmensregister werden Unternehmens- und Betriebstabellen erstellt. Dabei werden Ergebnisse nahezu über alle Wirtschaftszweige hinweg ausgewiesen. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Fischzucht sowie öffentliche Verwaltungen sind derzeit ausgenommen.

Besonderheiten bei der Veröffentlichung von Daten zu Unternehmen:
Bei Unternehmen mit mehreren Betrieben entspricht die Wirtschaftszweigzuordnung dem Schwerpunkt des Unternehmens. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der zugehörigen Betriebe wird beim Unternehmen summiert.

Besonderheiten bei der Veröffentlichung von Daten zu Betrieben:
Es werden auch Einbetriebsunternehmen erfasst, die keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, jedoch über steuerbare Umsätze aus Lieferungen und Leistungen für das Berichtsjahr der zuletzt verarbeiteten Verwaltungsdatenlieferung verfügen. Die in die Auswertung der Betriebe einbezogenen Wirtschaftszweige entsprechen jenen der Unternehmenstabellen. Durch das Vorhandensein von Masterbetrieben in den Dateien der Bundesagentur für Arbeit ist die tatsächliche Anzahl der Betriebe unterrepräsentiert. Die gegenteilige Wirkung kann entstehen, wenn die Bundesagentur für Arbeit in bestimmten Fällen mehrere Identifikationsnummern an denselben Betrieb vergibt. Durch derartige Effekte kann die Gruppierung nach Größenklassen der Beschäftigten verschoben sein.

Auswertungen des Unternehmensregisters

Je nach Fragestellung kann das Unternehmensregister nach zwei unterschiedlichen Konzepten ausgewertet werden.

Eine Möglichkeit besteht darin, alle Unternehmen berichtsjahrbezogen auszuwerten, die in einem Bundesland ansässig sind und die im Berichtsjahr der zuletzt verarbeiteten Verwaltungsdatenlieferung steuerbaren Umsatz aus Lieferungen und Leistungen und/oder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (ohne geringfügig Beschäftigte) zu einem Quartalsstichtag des Berichtsjahres hatten, unabhängig davon, ob sie zu einem bestimmten Stand des Unternehmensregisters noch wirtschaftlich aktiv waren oder nicht (sofern die amtliche Statistik hiervon Kenntnis erhalten hat).

Entsprechend gilt für Betriebe: es werden alle Betriebe ausgewertet, die zu einem Quartalsstichtag des Berichtsjahres über sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verfügten und in einem entsprechenden Bundesland ihren Sitz hatten. Dieses Auswertungskonzept zielt auf eine Darstellung des Gesamtbestandes an Unternehmen und Betrieben in ähnlicher Form wie dies bislang klassisch durch Großzählungen erreicht wurde.

Damit wird jedoch kein aktueller Gesamtbestand an Wirtschaftseinheiten zum Auswertungsstichtag ausgewiesen. Basis sind die mit Zeitverzug vorliegenden und verarbeiteten Verwaltungsdaten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass durch Registerpflegearbeiten zum Teil Auswertungsmerkmale wie der Wirtschaftszweig oder der Gemeindeschlüssel sowie Betriebs-/ Unternehmenszusammenhänge fortgeschrieben wurden und nicht dem Stand der ursprünglichen Verwaltungsdatenlieferung entsprechen.

Analog den bisher erfolgten Auswertungen zum Registerstand 31.12.2004 und 31.12.2005 besteht eine weitere Möglichkeit darin, alle zu einem bestimmten Stand des Unternehmensregisters wirtschaftlich aktiven Unternehmen stichtagsbezogen auszuwerten, die in einem Bundesland ansässig sind und die im Berichtsjahr der zuletzt verarbeiteten Verwaltungsdatenlieferung steuerbaren Umsatz aus Lieferungen und Leistungen und/oder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (ohne geringfügig Beschäftigte) zu einem Quartalsstichtag des Berichtsjahres hatten.

Entsprechend gilt für Betriebe: es werden zu einem bestimmten Stand des Unternehmensregisters wirtschaftlich aktive Betriebe ausgewertet, die zu einem Quartalsstichtag des Berichtsjahres über sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verfügten und in einem entsprechenden Bundesland ihren Sitz hatten. Dieses Auswertungskonzept verfolgt das Ziel, eine möglichst aktuelle Aussage zur Existenz von Unternehmen und Betrieben und deren Eigenschaften zu treffen. Der Gesamtbestand von Unternehmen und Betrieben wird dabei zwangsläufig untererfasst.

Es eignet sich zur Analyse der Wirtschaftsstruktur. Der Gesamtbestand von Unternehmen und Betrieben ist hierbei allerdings im Vergleich zur berichtsjahrbezogenen Auswertung wegen der fehlenden inaktiven Einheiten geringer.

Abweichungen der Unternehmensregisterdaten gegenüber Fachstatistiken

Abweichungen von Angaben des Unternehmensregisters gegenüber einzelnen Fachstatistiken sind durch methodische Unterschiede bedingt. Sie können unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass bei den Unternehmenstabellen zusätzlich Unternehmen ohne Umsatzsteuerpflicht, aber mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten berücksichtigt werden, während bei den Betriebstabellen auch Einbetriebsunternehmen ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, jedoch mit Umsatzsteuerpflicht gezählt werden. Dadurch weist das Unternehmensregister tendenziell mehr Unternehmen als die Umsatzsteuerstatistik und mehr Betriebe als die Bundesagentur für Arbeit aus.

Noch Fragen?

Wir stehen Ihnen gern zur Verfügung

Telefon: 0711/641-2082

Fax: 0711/641-2977

E-Mail: unternehmensregister@stala.bwl.de

1) Verordnung (EWG) Nr. 2186/93 des Rates vom 22. Juli 1993 über die innergemeinschaftliche Koordinierung des Aufbaus von Unternehmensregistern für statistische Verwendungszwecke (Amtsblatt der EG Nr. L 196, S. 1)

2) Gesetz zur Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 2186/93 des Rates vom 22. Juli 1993 über die innergemeinschaftliche Koordinierung des Aufbaus von Unternehmensregistern für statistische Verwendungszwecke vom 16. Juni 1998 (BGBl. I S. 1300, 2903). Artikel 1 enthält das Gesetz über den Aufbau und die Führung eines Statistikregisters (Statistikregistergesetz – StatRegG)

Definitionen | ^

Alphabetisch sortiert. Begriff suchen: Strg + F

Betrieb
Ein Betrieb ist eine Niederlassung an einem bestimmten Ort. Zu dem Betrieb zählen zusätzlich örtlich und organisatorisch angegliederte Betriebsteile. Es muss mindestens ein Beschäftigter im Auftrag des Unternehmens arbeiten. Betriebe werden nach ihrer Zugehörigkeit zu Mehrbetriebsunternehmen bzw. Mehrländerunternehmen unterschieden.
Einbetriebsunternehmen, Mehrbetriebsunternehmen und Mehrländerunternehmen
Ein Einbetriebsunternehmen liegt vor, wenn das Unternehmen lediglich aus einem einzigen Betrieb, mit Standort am Sitz des Unternehmens besteht. Wenn das Unternehmen aus mindestens zwei örtlich getrennten Betrieben in demselben Bundesland besteht, spricht man von einem Mehrbetriebsunternehmen. Befindet sich dagegen mindestens ein Betrieb eines Unternehmens in einem anderen Bundesland, so handelt es sich um ein Mehrländerunternehmen.
Masterbetrieb
Betriebe eines Unternehmens mit derselben wirtschaftlichen Tätigkeit und i.d.R. in derselben Gemeinde können in dem Material der Bundesagentur für Arbeit zu einem Masterbetrieb zusammengefasst werden. Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der einem Masterbetrieb zugeordneten Betriebe werden bei dem Masterbetrieb gebündelt ausgewiesen.
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen Arbeitnehmer, die kranken-, renten- bzw. arbeitslosenversicherungspflichtig sind oder für die von den Arbeitgebern Beitragsanteile zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet werden. Angaben über Betriebe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden von der Bundesagentur für Arbeit jährlich übermittelt. In den gelieferten Daten sind diejenigen Betriebe enthalten, in denen zum Stichtag 31.12. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig waren. Darüber hinaus sind Angaben zu solchen Betrieben enthalten, in welchen zwar zum Stichtag keine, jedoch mindestens in einem der übrigen Quartals-Stichtage sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiteten. Geringfügig Beschäftigte werden durch die Bundesagentur für Arbeit nicht zur Verfügung gestellt.
Steuerbarer Umsatz
Der steuerbare Umsatz im Unternehmensregister umfasst die Lieferungen und Leistungen des Unternehmens. Informationen über Unternehmen mit steuerbarem Umsatz aus Lieferungen und Leistungen werden von den Finanzbehörden zusammen mit den Angaben zur Umsatzsteuerstatistik jährlich übersandt. In dem Liefermaterial sind alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen enthalten, die im jeweiligen Berichtsjahr Umsatzsteuer-Voranmeldungen in Deutschland abgegeben haben und deren Jahresumsatz im Berichtsjahr mindestens 17 500 Euro beträgt.
Unternehmen
Ein Unternehmen wird in der amtlichen Statistik als kleinste rechtlich selbständige Einheit definiert, die aus handels- bzw. steuerrechtlichen Gründen Bücher führt und eine jährliche Feststellung des Vermögensbestandes bzw. des Erfolgs der wirtschaftlichen Tätigkeit vornehmen muss. Das Unternehmen umfasst alle zugehörigen Betriebe. Auch freiberuflich Tätige werden als eigenständige Unternehmen registriert.
Wirtschaftssystematische Zuordnung
Die branchenbezogene Einordnung von Unternehmen und Betrieben des Unternehmensregisters basiert auf der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2003.

Zeichenerklärung | ^

0
weniger als die Hälfte von 1 in der letzten besetzten Stelle, jedoch mehr als nichts
nichts vorhanden (genau Null)
·
Zahlenwert unbekannt oder geheim zu halten
x
Tabellenfach gesperrt, weil Aussage nicht sinnvoll
Angabe fällt später an
/
Zahlenwert nicht sicher genug
()
Aussagewert eingeschränkt
p
vorläufige Zahl
r
berichtigte Zahl
s
geschätzte Zahl
D
Durchschnitt (arithmetisches Mittel)

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2013 | ^