Zensus in Baden-Württemberg

Der Zensus in Baden-Württemberg

Mit den Ergebnissen des Zensus 2011 werden – nach den Volkszählungen in der Bundesrepublik 1987 und in der damaligen DDR 1981 – erstmals wieder Ergebnisse einer Volks-, Gebäude- und Wohnungszählung für Deutschland bzw. Baden-Württemberg veröffentlicht. Damit verfügt Deutschland über aktuelle Einwohnerzahlen (vorliegende Fortschreibungen basieren auf den Ergebnissen des Zensus 2011) und Daten zur demografischen Struktur der Bevölkerung sowie weitere Strukturdaten, z. B. zu Bildung und Erwerbstätigkeit, aber auch zu Religion und Migration. Darüber hinaus bietet der Zensus Informationen zu Gebäuden und Wohnungen sowie zu Haushalts- und Familienstrukturen.. Dafür wurde das Verfahren der Haushaltegenerierung durchgeführt. In mehreren Prozessschritten wurden dabei die für eine Anschrift vorliegenden Personeninformationen zu Haushalten zusammengefasst und den in der Gebäude- und Wohnungszählung erfassten Wohnungen zugeordnet.

Verlässliche Angaben über die Bevölkerungs- und Wohnsituation in unserem Land sind unverzichtbar. Amtliche Einwohnerzahlen werden in vielen Gesetzen genutzt und bilden die Grundlage für zahlreiche Entscheidungen. Nach ihnen werden Wahlkreise eingeteilt, Bürgermeister und Landräte besoldet sowie im Länderfinanzausgleich und im kommunalen Finanzausgleich die Zahlungen vorgenommen. Bevölkerungsdaten bilden die Grundlage für den zukünftigen Bedarf an Kindergartenplätzen, Schulen, Krankenhäusern und Seniorenheimen. Informationen zum Angebot und der Nachfrage an Wohnraum dienen als Planungsgrundlage für den Wohnungsbau. Alle diese Informationen erhält man durch einen Zensus, eine Erhebung, die ermittelt, wie viele Menschen in einem Land, in einer Stadt oder einer Gemeinde leben, wie sie dort wohnen und arbeiten.

Die Ergebnisse des Zensus stehen der interessierten Öffentlichkeit in Form einer Online-Datenbank zur Verfügung. Die Daten können dort kostenfrei in Form von Tabellen und Schaubildern abgerufen werden. Ein Kartentool visualisiert darüber hinaus ausgewählte Indikatoren.

Zensus 2011: Stichtag 9. Mai 2011

Der Datenbestand des Zensus mit Stichtag 9. Mai 2011 wurden zu dreii unterschiedlichen Zeitpunkten veröffentlicht: Mit Ausnahme der Einwohnerzahlen insgesamt waren zum ersten Veröffentlichungstermin im Mai 2013 (VÖT1) alle Zensusergebnisse noch vorläufig. Endgültige Ergebnisse wurden im April und im Mai 2014 veröffentlicht.

Der registergestützte Zensus

In Deutschland wurde zum Zensus 2011 erstmals ein registergestütztes Verfahren eingesetzt. Dabei wurden, im Unterschied zur Volkszählung 1987, nicht mehr alle Bürgerinnen und Bürger befragt, sondern soweit wie möglich vorhandene Daten für statistische Zwecke genutzt. Zur Sicherung der Qualität der Ergebnisse und zur Gewinnung von Daten, für die es keine Register gibt, werden bundesweit knapp 10 % aller Personen persönlich befragt. Außerdem fand eine postalische Erhebung bei allen Eigentümern von Gebäuden und Wohnungen statt.

Schaubild: Das Zensusmodell

Wie funktioniert der registergestützte Zensus?

Der Zensus 2011 setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Als Ausgangsbasis dienten Angaben aus den Melderegistern, dem Register der Bundesagentur für Arbeit und den Dateien über die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. So kann, im Unterschied zu einer herkömmlichen Volkszählung, auf eine Befragung aller Einwohnerinnen und Einwohner verzichtet werden. Außerdem wurden rund 10 % aller Personen im Rahmen einer Haushaltebefragung durch Interviewerinnen und Interviewer persönlich befragt. Die Ergebnisse dienten zunächst dazu, Über- oder Untererfassungen in den Angaben aus den Melderegistern in Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern statistisch zu korrigieren. In Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern war die Ungenauigkeiten in den Melderegistern weniger stark ausgeprägt, so dass eine unmittelbare Klärung vor Ort durchgeführt werden konnte. Darüber hinaus wurde im Rahmen der Haushaltebefragung Informationen erhoben, die über die Registerinformation hinaus gingen. Da es in Deutschland keine Registerangaben zu Gebäuden mit Wohnraum gibt, wurden alle Eigentümer von Gebäuden und Wohnungen befragt. Die Daten aus den verschiedenen Registern und den Befragungen werden abschließend mit einem statistischen Verfahren, der sogenannten Haushaltegenerierung, zusammengeführt. Am Ende der Zusammenführung liegen dann Zensusdaten zu Personen, Haushalten, Wohnungen und Gebäuden.

infopunkt

Warum ist es wichtig, die Bestandsdaten zu Gebäuden und Wohnungen zu aktualisieren?

  • Für die Stadtentwicklung
  • Für wohnungspolitische Entscheidungen auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene
  • Als aktuelle Planungsgrundlage für Verbände und Unternehmen der Wohnungswirtschaft

Wie sah der Fragenkatalog der Gebäude- und Wohnungszählung aus?

Gebäude

  • Art des Gebäudes
  • Zahl der Wohnungen
  • Gebäudetyp
  • Eigentumsverhältnisse
  • Baujahr
  • Heizungsart

Für jede Wohnung im Gebäude

  • Art der Wohnungsnutzung
  • Fläche
  • Zahl der Räume
  • Ausstattung (WC, Badewanne, Dusche)
  • Anzahl der Bewohner
  • Eigentumsverhältnisse

Wer wurde worüber um Auskunft gebeten?

Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung wurde im Rahmen des Zensus 2011 direkt befragt, und zwar in zwei Erhebungen.

  • Die Gebäude- und Wohnungszählung wurde als postalische Erhebung durch das Statistische Landesamt bei knapp 3,0 Mill. Gebäudeeigentümern im Land durchgeführt.
  • Etwa 1,1 Mill. Personen wurden im Rahmen einer Haushaltebefragung um Auskunft gebeten. Die Befragungen wurden von örtlichen Erhebungsstellen durchgeführt, die in allen Gemeinden mit mindestens 30 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und bei den Landkreisen eingerichtet waren.

infopunkt

Wie sah der Fragenkatalog der Haushaltsstichprobe aus?

  • Alter, Geschlecht und Familienstand
  • Migrationshintergrund
  • Zugehörigkeit zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft/Bekenntnis zu einer Religion, Glaubensrichtung oder Weltanschauung
  • Wohnsituation (wie viele Personenleben in Ihrer Wohnung, ist die Wohnung die vorwiegend benutzte Wohnung?)
  • Schulbesuch, Bildungs- und Ausbildungsabschluss
  • Berufstätigkeit und Nebenjobs
  • Wirtschaftszweig des Betriebes und Beruf

Ziele der Haushaltsstichprobe:

  • Ermittlung von Korrekturfaktoren zur Feststellung von Über-/Untererfassungen in den Angaben aus den Melderegistern. Feststellung der amtlichen Einwohnerzahl
  • Gewinnung von Daten, die nicht in Registern vorliegen(Bildung, Ausbildung, Migration …)

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2014 | ^